All About a Girl ist Caitlin Morans Coming-of-Age-Roman über ein Mädchen aus der Arbeiterklasse, das in den 90ern ihren Platz zwischen Armut, Popkultur und Identitätssuche sucht.
In den Neunzigerjahren, als England unter Thatcher ächzte und die Musikszene der einzige Ausweg aus der Enge schien, begleitet All About a Girl Johanna Morrigan auf ihrem Weg aus der Sozialsiedlung in Wolverhampton. Es geht um eine Familie im Chaos, um Träume, die nicht aufgehen und um ein Mädchen, das sich neu erfinden will. Ich habe es gelesen, weil der Klappentext diese rohe Ehrlichkeit versprach – das Aufbegehren gegen Armut und Erwartungen, gepaart mit Popmusik als Rettungsanker. Als Rezensionsexemplar hat es mich besonders angespornt und mit 39 spüre ich heute noch diesen Stich der Erinnerung: Die Unsicherheit der Jugend, die Lust auf Veränderung. Es fühlte sich an, als würde ich in eine alte Wunde blicken, die verheilt ist, aber noch pocht.
Inhalt & Stimmung
Johanna navigiert das tägliche Überleben in einer Familie, wo der Vater Rockstar-Phantasien nachhängt und die Mutter Schwangerschaften als Unpässlichkeit abtut. Sie sucht Auswege durch Musikwissen, Partys und eine selbstgeschneiderte Identität, die sie in die Welt der Journalistik katapultiert – alles, um die Misere zu lindern und sich selbst zu finden. Es ist eine Reise voller Höhen und Tiefen, von peinlichen Fehltritten bis zu triumphalen Momenten.
Die Stimmung trifft mich tief – diese Mischung aus wilder Freude und leiser Verzweiflung weckt etwas in mir, das ich fast vergessen hatte. Der Humor ist wie ein Schutzschild gegen die Kälte der Siedlung, die Beschreibungen der Musikabende lassen mein Herz schneller schlagen, als ob ich wieder 18 wäre und die Nacht uns gehörte. Aber darunter lauert die Traurigkeit der Unzulänglichkeit, die Enge, die einen atemlos macht. Es hat mich bewegt, diese Atmosphäre zu atmen: Die Euphorie der Rebellion mischt sich mit der Angst vor dem Scheitern und ich habe gespürt, wie nah das dem echten Leben kommt – chaotisch, verletzlich, aber voller kleiner Wunder.
Charaktere & Stil
Johanna hat mich berührt wie eine alte Freundin, deren Stärke und Zerbrechlichkeit ich aus mir selbst kenne. Sie ist kein Ideal, sondern ein Spiegel: Ihr Trotz, ihre Fehler, die Art, wie sie sich mit Eyeliner bewaffnet, hat mich an meine eigenen jugendlichen Kämpfe erinnert – diesen Drang, sich neu zu bauen, um nicht unterzugehen. Die Familie fühlt sich so lebendig an, dass es wehtut: Der Vater weckt Mitleid und Verärgerung, die Mutter weckt tiefen Respekt vor stiller Ausdauer. Sie sind nicht perfekt und genau das macht sie menschlich, nahbar.
Morans Stil ist ein emotionaler Wirbelsturm – witzig, ja, aber mit einer Tiefe, die dich packt und nicht loslässt. Die Sätze tanzen, die Dialoge beißen und die Struktur lässt Raum für Gefühle, die hochkommen wie Wellen. Es hat mich zum Lachen gebracht, bis es mir die Kehle zuschnürte vor Rührung; die Emotionen sind roh, ohne Filter und haben alte Narben in mir aufgerissen. Nicht immer gefiel mir die Intensität – manchmal überwältigt der Humor die Stille, die man braucht, um zu atmen. Aber insgesamt: Es ist ein Stil, der heilt, indem er verletzt und der mich mit einer Wärme zurücklässt, die lange hält.
Fazit
Dieses Buch ist für diejenigen, die in ihren Dreißigern oder später die Echos der Jugend spüren – für alle, die je versucht haben, sich aus Schutt neu zu formen. Es lohnt sich, weil es nicht nur unterhält, sondern berührt, dich mit Lachen und Tränen durchwinkt. 4 Sterne, weil es mich bewegt hat, ohne vollständig zu überwältigen. Es hat etwas in mir aufgeweckt: Die Erkenntnis, dass Verletzlichkeit Stärke ist, und dass wir alle Johanna sind, auf der Suche nach unserem eigenen Licht. Ich habe gelacht, geschluckt, gestaunt – und am Ende Johanna in mir selbst wiedergefunden.
(っ◔◡◔)っ ♥ Bis bald, deine Nati ♥
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